Was für ein Typ! GTÜ prüft Bergretter

Gestatten, Bogner ATSC: So heißt das flammneue Fahrzeug im GTÜ-Testlabor in Stuttgart.

Ein Auto, vier Buchstaben, drei Herren: Josef Bogner, Patrick Kohl und Martin Späth (von links) (Fotos: Bernhard Kahrmann)

Es sieht aus wie ein geschrumpfter Rettungswagen üblicher Prägung. Denn mit einer Länge von rund drei Metern ist er nicht nur halb so lang, sondern auch deutlich schmaler und niedriger. Das ist gewollt, es macht das „All Terrain Special Car“ (ATSC) kompakt, wendig und geländegängig. Das lässt Sanitäter und Helfer zu Verunglückten kommen, die sonst allenfalls nur zu Fuß, mit einem Quad oder mit einem Helikopter zu erreichen wären. Das ATSC bringt einen Verletzten dann zum großen Rettungswagen an der nächsten Fahrstraße oder – mit künftiger Straßenzulassung – sogar direkt ins Krankenhaus.

Ein besonderes Projekt auch für die GTÜ

Zuvor steht noch eine besondere Prüfung beim Technischen Dienst der GTÜ an. Der routinierte GTÜ-Unterschriftsberechtigte Martin Späth, normalerweise eher zurückhaltend, kommentiert: „Das ATSC auf die Straße zu bringen ist ein superspannendes und ganz besonderes Projekt.“ Seit gut einem Jahr begleiten Späth und seine ebenfalls sehr erfahrenen Ingenieurkollegen Patrick Kohl und Alfred Tamm vom Technischen Dienst der Prüforganisation mit Prüfungen und Gutachten den Weg bis zur Typgenehmigung als Rettungsfahrzeug – eine Voraussetzung für die Straßenzulassung. Denn auch ein Kleinserienhersteller muss sehr viele technische Vorgaben erfüllen.

Nicht vom Rettungsdienst, aber im Dienst GTÜ: Alfred Tamm

In den Bergen und am Wasser

Vor Martin Späth in der großzügigen Halle mit Hebebühnen und Messeinrichtungen steht ein Prototyp des ATSC, entstanden bei der Edelstahlverarbeitung Bogner GmbH aus dem niederbayerischen Bogen. Späth erkennt sofort: „Dieses Rettungsfahrzeug füllt eine Nische, die bisher nicht bedient wurde.“ Zur Zielgruppe gehören neben der Bergrettung auch Wasserschutz, Technisches Hilfswerk oder Katastrophenschutz. Daher ist das Herzstück des ATSC der genormte Tragetisch für die Krankentransportliege. Ob Fahrtrage, Gebirgstrage oder Akja-Transportschlitten – jede Variante passt rechts in den Wagen und reicht dann neben dem Fahrer bis nahe der Windschutzscheibe. In der beheizten Kabine findet neben dem Unfallopfer auch eine Begleitperson Platz. Ein Schienensystem an Dach und Seitenwand erleichtert den Einsatz von medizinischem Gerät.

Volle Härte im GTÜ-Labor

An diesem Tag im GTÜ-Labor prüfen die Experten Abmessungen, die Außenkanten der Radläufe aus Kunststoff, die Lichtanlage samt Blaulicht und entsprechenden Blitzern am Heck oder auch eher profane Dinge wie die Sichtbarkeit des Kennzeichens. Alles muss den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen. Es geht zur Sache: 68 Kilogramm schwere, mit Wasser gefüllte Boxen simulieren die Personen in den Sitzen. Das Gurtsystem oder die Verankerung des Tragetischs werden sehr hohen Kräften ausgesetzt. Mehrere Proberunden im ATSC rund um das GTÜ-Gebäude liefern Daten zu Lenkeinschlag und Lenkkräften. „Die zeichnen wir mit unserer V-Box auf, einem der teuersten mobilen Prüfgeräte im GTÜ-Labor“, erklärt Martin Späth.

Große Erwartungen an den kleinen Retter

Josef Bogner verfolgt die Arbeit des Unterschriftsberechtigten des Technischen Dienstes höchst konzentriert. Sein Unternehmen ist spezialisiert auf den Ausbau von Rettungs- und Feuerfahrzeugen. Als ehrenamtlicher Feuerwehrmann kennt er den harten Alltag der Retter aus verschiedenen Perspektiven. So entstand seine Idee für ein kleines Rettungsfahrzeug von hoher Qualität. Vor zwei Jahren hat er beim Kraftfahrt-Bundesamt eine erste Anfrage über die mögliche Zulassung seines „All Terrain Special Car“ gestellt. Die Resonanz war grundsätzlich positiv. Doch seither erfährt er, dass der Weg des ATSC auf die Straße lang, schwierig und durchaus kostenintensiv ist.

Ein bewährter Allradler als Basis

Als Fahrzeugbasis dient das handelsübliche kleine Transportfahrzeug John Deere „Gator HPX“, von Haus aus geländegängig. Zur technischen Grundausstattung gehören ein permanenter Allradantrieb mit Differenzialsperre und ein Automatikgetriebe mit Gelände- und Straßenübersetzung. Der kleine Dieselmotor mit 1.000 Kubikzentimetern Hubraum leistet 14 kW (20 PS) – ausreichend für eine Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h. Josef Bogner hat auch über einen Elektromotor nachgedacht: „Doch das ist zu früh angesichts der in den Bergen oft fehlenden Ladeinfrastruktur.“ Zumal im Katastrophenfall – wie bei Lawinenabgängen, Erdbeben oder Überschwemmungen – mitunter Stromausfälle die Einsatzlage verschärfen können.

Der Erfinder ist mit viel Herz dabei

Den kompletten Aufbau des Fahrzeugs aus pulverbeschichtetem Edelstahl mit eingesetzten Aluminium-Waben-Struktur-Platten haben Bogners Fachleute in Eigenregie entworfen. Dieser ist nicht nur praktisch, sondern auch stabil. Das belegen bereits drei bestandene Überroll-Crashtests. „Der Frontalcrash des gesamten Fahrzeugs steht noch aus“, erklärt Josef Bogner. Die Tests bei der GTÜ regen immer wieder zu sinnvollen Nacharbeiten an. „Aber zum größten Teil ist das ATSC nun bereit für die Typgenehmigung“, stellt Späth mit Zuversicht fest. Das hört Josef Bogner gern: „Dieses Fahrzeug ist eine Herzensangelegenheit für mich.“

Der Weg zur Straßenzulassung

Bevor ein technisches Produkt wie der Rettungswagen Bogner ATSC in Serie auf den Markt kommt, benötigt er eine Typgenehmigung, in diesem Fall vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA). Bei Fahrzeugen – oder auch Bauteilen, Systemen und anderen technischen Einheiten – bildet die GTÜ eine Schnittstelle zwischen Hersteller und Genehmigungsbehörde. Vor allem kleinere Unternehmen ohne eigene Homologationsabteilung nutzen die Vernetzung und Erfahrung der GTÜ. Zunächst wird gemeinsam ein Prüfkatalog erstellt mit aktuellen und auch bereits absehbaren gesetzlichen Produktanforderungen. Alle für die Genehmigung erforderlichen Gutachten und Prüfungen übernimmt die GTÜ, ebenso die Kommunikation mit den Behörden während des gesamten Genehmigungsprozesses – ein gemeinsamer konstruktiver Weg bis hin zur Marktreife.

Mit Vollgas in die Ferien

Kaum ein Caravan ohne Gasflasche, keine Flasche ohne Sicherheitsprüfung.

Zündende Idee: Aber nur, wenn die Leitungen geprüft sind (Fotos: Stephan Zirwes)

Kalter Kühlschrank, warme Mahlzeit, mollige Heizung: Die Energie aus der Gasflasche versorgt in Caravan und Wohnmobile mehrere Geräte. Doch mit diesem Griff zur Flasche ist es nicht getan. Alle zwei Jahre muss die gesamte Gasanlage von Fachleuten überprüft werden, wie sie in jeder Prüfstelle der GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung mbH bereitstehen. Der Nachweis über eine bestandene Gasprüfung beruhigt für den Urlaub und auch manchen Platzwart auf dem Campingplatz.

Das gelbe Heft

Ein gelbes Heft gehört zu den treuen Begleitern des gewissenhaften Campers. Aus dieser „Prüfbescheinigung“ sollte hervorgehen, dass die Gasanlage von Wohnwagen oder Wohnmobil in Ordnung ist. Das bestätigen stets aktuell Stempel und Unterschrift des „Sachkundigen Flüssiggas G 607“. Nach bestandener Prüfung wird außerdem hinten am Wagen eine Plakette von DVGW und DVFG angebracht, die ähnlich einer Hauptuntersuchungsplakette Jahr und Monat der nächsten Gasprüfung nennt. DVGW steht für „Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches“, DVFG für den „Deutschen Verband Flüssiggas e.V.“

Das Prüfheft geht mit auf die Reise

Prüfheft hilft auf dem Campingplatz

Eine nicht mehr gültige Gasprüfung wurde bis zum Januar 2020 bei der Hauptuntersuchung (HU) des Fahrzeugs als erheblicher Mangel eingestuft. Seither ist das alle zwei Jahre fällige Prozedere nach dem Arbeitsblatt G 607 im Rahmen der HU ausgesetzt. Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) hat jedoch festgelegt, dass Camper diese Prüfungen vom 1. April 2022 an eigenständig durchführen müssen. Das heißt, sie müssen sich unabhängig von der Hauptuntersuchung um diese Prüfung kümmern. „Aber es spart Zeit und Aufwand, HU und Gasprüfung weiterhin bei einem Termin in der Prüfstelle erledigen zu lassen“, sagt GTÜ-Partner Frank Heim vom Ingenieurbüro Heim in Metzingen. Und er hört von manchem Urlauber, dass viele Campingplätze bei der Stellplatzvergabe auf das ausgefüllte Prüfheft achten. Wenn dort bei älteren Wohnwagen und Wohnmobilen der Platz ausgeht, wird ein Ergänzungsblatt mit neuem Raum für Stempel und Unterschrift eingeheftet.

Gasflaschen dürfen nicht verrutschen

Vor einem Prüfungstermin macht es durchaus Sinn, sich die Anlage selbst anzuschauen, um den einen oder anderen Mangel rechtzeitig zu beheben und sich eine Wiedervorführung zu ersparen. Zum Beispiel, wenn es um die Sichtprüfung geht, mit der auch viele GTÜ-Partner ihre Prüfung beginnen. Wie steht es um die Fixierung der Gasflaschen, damit sie während der Fahrt keineswegs verrutschen? Liegen die Lüftungsöffnungen im Gaskasten, so dass ausgetretenes Gas ungehindert abziehen kann? Wie alt und in welchem Zustand sind Druckminderer und Anschlussschlauch? Was porös oder beschädigt ist, muss ausgetauscht werden. Wenn es alles gut aussieht, ist ein Wechsel dennoch nach zehn Jahren fällig.

Richtig unter Druck gesetzt 

Beim Fachmann erfolgt nach der Draufsicht die Druckprüfung. Mittels einer Pumpe wird die gesamte Gasanlage bei geöffneten Ventilen mit 150 Millibar unter Druck gesetzt, somit um ein fünffaches des normalen Betriebsdrucks von 30 Millibar. Ist der Prüfdruck erreicht, darf dieser Wert binnen fünf Minuten nicht um mehr als zehn Millibar abfallen. Ein stärkerer Abfall deutet auf ein Leck in der Anlage hin. In den meisten Fällen bleibt der Druck von 150 Millibar über die Fünf-Minuten-Frist hinweg unverändert. Nun zündet der Prüfer den Herd, lässt die Flammen kleiner und größer werden. Bringt er die Flamme zum Erlöschen, muss Sekunden später auch das Sicherheitsventil schließen. Auch die Funktion von Heizung oder Kühlschrank nimmt er sich vor. Wobei manche dieser Geräte auch mit Strom betrieben werden können.

Konzentriert und ganz genau: der GTÜ-Prüfingenieur bei der Sicherheitspüfung

GTÜ erledigt auch die Erstabnahme

Bei der Erstabnahme von Campingfahrzeugen erfasst in der Regel der Hersteller oder professionelle Ausrüster die notwendigen Daten und trägt sie ins gelbe Heft ein. Etwa, ob sich der Gasvorrat innerhalb des Fahrzeugs befindet oder nur von außen zugänglich ist. Neben vielen technischen Daten wird auch das Material der Rohrleitungen festgehalten, Stahl oder Kupfer. Doch der eine oder andere kundige Heimwerker baut sein Wohnmobil selbst aus. Auch solche Erstabnahmen sind beim GTÜ-Partner in besten Händen, damit bei diesen Unikaten das gelbe Heft samt Aufkleber ebenfalls zur sicheren Fahrt in die Ferne gehören.

Welchen Wert hat mein Oldtimer?

GTÜ-Classic-Partner sind auch als Wertgutachter gefragt.

Das Jubiläum „15 Jahre Oldtimer-Gutachten“ hat die Blog-Redaktion zum GTÜ-Classic-Partner Konrad Deuschle in Sulz am Eck geführt. Der Spezialist für historische Fahrzeuge ist – wie viele weitere GTÜ-Partner in ganz Deutschland – auch in Sachen Wertgutachten gefragt. Doch was verbirgt sich dahinter genau?

Oldtimer-Noten wie in der Schule

„Alle reden von Wertgutachten – und jeder meint etwas anderes“, sagt Konrad Deuschle über das zweite Standbein seines Ingenieurbüros im Landkreis Calw. Für ein Oldtimergutachten nach § 23 StVZO ist es nicht erforderlich, aber natürlich dennoch attraktiv für deren Besitzer: Sie lassen so den Markt-/Wiederbeschaffungswert eines Klassikers oder Youngtimers bestimmen. Das umfangreiche Dokument führt meist dazu, dass Versicherungen bei einem Totalverlust etwa über Diebstahl oder Brand den tatsächlichen Klassikerwert erstatten. Für den GTÜ-Classic-Partner steht die Zustandsnote – Eins für perfekt bis Fünf für mangelhaft – nicht im Zentrum. Ein ungeschweißtes Fahrzeug mit originalem Lack kann trotz Zeitspuren mindestens so wertvoll sein wie ein vollrestauriertes Objekt.

Heimspiel für schwäbische Klassiker

In den ersten Jahren seit Büroeröffnung hatten die Gutachter in Sulz am Eck sehr viele Porsche und einige Mercedes-Benz zu bewerten. „Viele Fahrzeuge dieser Kategorie sind Anlageobjekte und weniger Herzensangelegenheiten,“ sagt der Diplomingenieur lakonisch. So schön wertvolle schwäbische Klassiker sein mögen, er selbst schätzt die automobile Vielfalt und nennt Stichworte wie spannende Technik, eine ungewöhnliche Markenhistorie oder schlichtweg den plötzlichen Seltenheitswert von Allerweltautos, weil der Rost viele Artgenossen bereits dahingerafft hat. Schon lange gilt: Beliebt sind Klassiker aus der damaligen Jugend der heutigen Besitzer. „Wo kommen plötzlich so viele VW Scirocco her?“, wundert sich Deuschle und freut sich zugleich, dass sich zahlreiche junge Leute für Automobil begeistern. Meist für jüngere, von Vorkriegsklassikern rede derzeit kaum einer.

Der Wert liegt nicht nur im Auge des Betrachters (Foto: More Cars from Berlin)

Zustand und Biografie zählen

Ein Problem für die Experten ist es, dass es für ein Wertgutachten keine klaren Richtlinien gibt. „Zu einer ordentlichen Bewertung gehört in jedem Fall eine detaillierte Beschreibung des Fahrzeugzustands“, hält Deuschle fest. Auszug aus dem weiteren Kriterienkatalog: Handelt es sich etwa um einen Japan-Reimport oder eine deutsche Erstauslieferung? Lässt sich die Historie lückenlos belegen, womöglich samt Motorsporterfolgen, falls vorhanden? Verkaufsfördernd wirken sich „Matching Numbers“ aus – dabei wird festgehalten, ob noch der erste Motor eingebaut ist oder sogar das erste Getriebe oder Differential. Selbst prominenter Vorbesitz kann bei der Bewertung eine Rolle spielen. Klar aber auch: Unfallschäden senken den Zeitwert.

Wertgutachten sind eine Investition

Grundsätzlich rät die GTÜ: Ein Wertgutachten sollte mit seinem Verwendungszweck verbunden sein, denn der in einem Kurzgutachten festgestellte Marktwert zur Versicherungseinstufung eignet sich nicht für Handel oder Schadensregulierung. Daher am besten den Gutachter und Sachverständigen gleich zu Beginn seiner Tätigkeit darüber informieren, welchen Zweck das Gutachten erfüllen soll. Der Preis? Er hängt vom Aufwand und auch vom ermittelten Wert ab. Ein detailliertes Gutachten kostet üblicherweise 450 Euro bis 1.000 Euro – eine Investition, die sich jedoch rentiert, wenn die Versicherung im Fall des Falles den vollen Wert erstattet.

Wer sich für Wertgutachten interessiert, findet hier im GTÜ-Classic-Portal noch einmal alles Wichtige zusammengefasst.

Aktuelles Fachwissen zu Young- und Oldtimern halten die Experten der Prüforganisation auch auf der Classic-Pressekonferenz der GTÜ am 21. April 2022 bereit. Hier können Classic-Freunde die Gesprächsrunde ab 14:30 Uhr live miterleben.

Besser, es schriftlich zu haben: Wertgutachten der GTÜ