Die Tücke mit der Lücke

Warum Einparken Traum und Trauma zugleich sein kann

Um in das letzte große Abenteuer der Moderne zu starten, muss niemand zwingend Elon Musk auf den Mars folgen. Es reicht schon eine simple Fahrt zum nächsten Supermarkt. Dann ein paar Minuten kreisen wie eine Raumsonde um die Erde, bis sich im Schatten des Neonmondes der ersehnte Lichtblick auftut: tatsächlich, ein freier Parkplatz! Er liegt zwar etwas versteckt im Universum des Discounters, nur rückwärts seitlich zu erreichen. Aber wo soll das Problem liegen? Die paar Jahrzehnte, die die Fahrschulprüfung erst her ist… Allerdings fand die Prüfung damals nicht in einem Cabrio mit geschlossenem Verdeck statt – die heute schon. Der Blick in den Rückspiegel macht dem Einparkversuchenden klar: nichts zu sehen, außer einem schwarzen Loch. Und diese Parktaschen scheinen im gleichen Verhältnis zu schrumpfen, wie die Autos größer werden.

Hoffentlich sieht das keiner!

Glücklich, wer zu zweit unterwegs ist. Auch wenn die anschließende Nummer zum peinlichsten gehört, was es an Autofahrerklischees gibt: der Partner steigt aus und gibt Handzeichen. Es sind jene Momente, in denen man hofft, dass einen keiner erkennt. Vor allem aber auch jenen einen verflucht, in dem man mit dieser Mischung aus überzeugendem Auftritt, Selbstüberschätzung und Knauserigkeit damals im Autohaus generös auf Rückfahrkamera und elektronische Einparkhilfe verzichtet hat – mit einem überzeugten: „Das wäre doch gelacht…“ Nun ja, gerade ist es eher zum Heulen.

Kreischend durchs Parkhaus

Nächster Anlauf, diesmal im Parkhaus, den Neandertalerhöhlen der Neuzeit. Damit es wenigstens keiner beobachten kann. Ganz souverän vorwärts eingeparkt, zentimetergenau bis zur Betonwand. Sag‘ ich’s nicht: geht doch. Auf dem gleichen Weg geht es raus, bis sich der Parksensor kreischend meldet. Moment! Welcher Sensor überhaupt? Es war dann eher der Seitenspiegel, der in den Nahkampf mit einem Pfeiler gegangen ist. Die Schuld kann unmöglich beim Fahrer liegen. Vielmehr ist es reine Schikane des Parkhausbetreibers, dass dieser Nachtslalom bei so schlechter Beleuchtung ausgetragen werden musste.

Die Sache mit dem Bordstein

Die eigentliche Tücke bei der Lücke ist  natürlich, dass wir denken, wir können es. Das ist im Übrigen die Geschäftsidee aller Krankenhausgipser am Rande der Skigebiete in den Alpen. Ein paar Selbstzweifel (auch als Vernunft bekannt), etwas weniger Schwung und etwas mehr Demut – und schon würde es so funktionieren, dass es keinen mehr kratzt. Aber irgendwie scheint sie noch aus dem Paradies importiert, diese Platz-da-Mentalität. Vielleicht ist es aber auch dieser in uns steckende Perfektionismus, der uns in den Wahn treibt, antrainiert einst vom Fahrlehrer. Brüllte der doch, auch wenn das Auto nur einen Millimeter weiter weg vom Bordstein war als die maximal erlaubten 30 Zentimeter: „Willst Du so stehen bleiben? Da liegt ja Australien näher!“

Wie in einem Agentenfilm

Jetzt stehen wir da mit unserer verletzten mobilen Seele. Nein, es ist nicht die Angst vorm Fliegen, die den parkenden Kolumnisten quält, sondern jenes Fahrassistenzsystem, das im Bordbuch so harmlos „Parking Assistant“ genannt wird. Per Knopfdruck im vorbeifahren ermittelt der digitale Helfer nicht nur die idealen Einpark-Koordinaten, sondern nimmt den Vorgang auch gleich selbst vor. In der Systemerweiterung „Professional“ können Parkmanöver sogar gespeichert und immer wieder abgerufen werden. Wir kommen uns vor wie in einem James-Bond-Streifen.

Am Ende ist es doch kinderleicht

Hilflos zuzugucken, wie sich Lenkrad und Auto drehen, das kann tatsächlich schlimmer als Achterbahnfahren sein. Vermutlich kränkt diese Präzision auch etwas die eigene Würde. Vielleicht ist die kluge Funktion auch gar nicht primär für den Einparkenden gedacht. Die nette Kollegin jedenfalls schwört darauf. Wenn der kleine Sohn im Auto leicht zu quengeln beginnt, wirkt das autonome Einparken Wunder. Die Kinderaugen leuchten immer wieder aufs neue, es ist die pure Faszination: „Schau doch mal, Mama, das dreht sich von ganz allein!“ Tröstlich, das am Ende wenigstens einer im Auto die Nerven behält – und sogar noch richtig Spaß am Parkmanöver hat.

Die Trends von der CES: Autos werden immer schlauer

Weg von der Spielerei auf Rädern, hin zu mehr Nutzen

Bild: www.ces.tech

Wer das Glück sucht, der findet leicht den Weg nach Las Vegas. Das gilt gleich zu Beginn des Jahres auch für alle Auto-Glückseligen: Die Technologiemesse CES ist ein Leuchtturm für die ganze Mobilitätsbranche. In der Wüste von Nevada geht es auch 2026 nicht um Preislisten oder Fahrzeugausstattungen, sondern prinzipiell um alles, was möglich ist – und damit vor allem um die Vernetzung.

Das Robo-Taxi kommt um die Ecke

Ob der Roboter der bessere Autofahrer ist, wird sich bald zeigen, wenn Uber sein serienreifes Robotaxi-Modell an den Start bringen wird. Die ersten autonomen Tests laufen schon auf den Straßen von San Francisco. Hinter der Produktion steht der kalifornische Hersteller Lucid. Das Start-Up Tensor aus den USA geht sogar noch einen Schritt weiter, und arbeitet an einem Roboauto für Privatkunden. Zukunftsmusik, die schon bald Alltag werden kann. Denn die meisten Entwicklungen, die heute auf der CES präsentiert werden, schienen noch vor ein paar Jahren unvorstellbar. Beschleunigt wird die Branche nicht mehr durch Motoren und Sprit, sondern vor allem durch die Künstliche Intelligenz.

Der CLA guckt tief in die Karten

Mercedes möchte auch weiterhin, dass Menschen hinter dem Steuer sitzen, aber sie sollen es durch die Verknüpfung von Fahrassistenzsystemen und Navigation einfacher haben. Zusammen mit dem Softwarehersteller Nvidia lenkt der neue CLA weitgehend selbstständig durch den Verkehr, was außerhalb Europas oft schon erlaubt ist, bei uns könnte die Zulassung im kommenden Jahr erfolgen. Gleiches strebt Tesla mit seinem Full-Self-Driving an. Der Komfort bei diesem nächsten technologischen Schritt: Auch wenn der Fahrer korrigiert, bleiben die Systeme aktiv, was das Fahren insgesamt entspannter machen soll. Einen ähnlichen Weg verfolgt Volkswagen und verbindet sich daher mit dem präzisen Kartenmaterial von TomTom. Anderswo mischt, wie könnte es anders sein, auch Google mit.

Wie spreche ich mit meinem Auto?

BMW kümmert sich mehr darum, wie Mensch und Maschine künftig kommunizieren sollen. Das Wunschprogramm: möglichst normal. Der neue Intelligent Personal Assistant im iX3 braucht keine umständlichen Befehle mehr, sondern funktioniert wie Alexa durch klare Anweisungen. Kein Wunder, hinter der Funktion im Auto steht ja auch Amazon. Um den richtigen Sound geht es auch bei der Active Noise Reduction, die der Zulieferer ZF entwickelt hat – damit sollen die Reifengeräusche im Innenraum deutlich gesenkt werden. Faszinierend, wie das geht: Die Technik basiert auf Beschleunigungssensoren im Fahrwerk, die Schwingungen der Luft im Reifeninneren erkennen. Ein Algorithmus erzeugt daraufhin ein Gegensignal. Aber die Zukunftsforscher vom Bodensee tun auch was fürs (Fahr-)Gefühl: per KI erkennt das neue Fahrwerk künftig automatisch, wie der Untergrund beschaffen ist und sich die Witterung auswirkt und schaltet selbst in den richtigen Modus um.

Ein Zentralhirn auf Rädern

Bosch stellt seine Fahrzeugsysteme besonders scharf, die neuen Radarfunktionen namens Gen 7 können Gegenstände auf der Fahrbahn oder im Weg schon aus weiter Entfernung erkennen. Die KI kommt bei fast allen Produkten ins Spiel, ob es nun das personalisierte Cockpit mit integrierter Parkplatzsuche ist oder das Vehicle Motion Management, dass Antrieb, Lenkung und Fahrwerk so koordiniert, dass die Wankbewegungen des Autos minimiert werden. Überhaupt ist das der Trend bei vielen Herstellern: mehr Komfort durch mehr Vernetzung. Die Autos bekommen ein neues Zentralhirn.

Zum Schluss noch ein Batteriewunder

Keine Messe ohne neues Batterie-Superlativ, diesmal vom finnischen Unternehmen Donut Lab, das die erste Festkörperbatterie in Serie bringen möchte. Die Messlatte ist hoch: Ladezeit unter zehn Minuten bei einer Lebensdauer von 100.000 Ladezyklen. Die neuen Wunderzellen sollen auch bei extremen Temperaturen ihre Leistung behalten, resistent gegen Brände sein und dazu noch aus kostengünstigen Materialen beschaffen sein. Erste Testläufe soll es bereits bei Motorrädern gegeben haben. Noch sind nahezu alle Experten skeptisch. Aber war das nicht bei allen Pionieren am Anfang so?

Eine Sammlung für echte Typen

Das etwas andere Konzept des Hamburger Automuseum Prototyp

Was sich aus der simplen Abkürzung „Pkw“ alles machen lässt, sogar ein ganzes Museumskonzept. Zerlegt in die Bestandteile „Personen. Kraft. Wagen.“ haben sich die Macher des Automuseum Prototyp ein Konzept ausgedacht, dass anders ist als alle anderen Sammlungen in Deutschland. Natürlich geht es auch in der Hamburger Hafencity vorrangig um die Fahrzeuge, aber eben nicht nur. Sondern auch um die Menschen hinter den einmaligen Autos und um deren Geschichten.

Hauptsache besonders

Sich zeigen auf den zweieinhalbtausend Quadratmetern dürfen sich nur ganz besondere Autos, wie der berühmte „Berlin-Rom-Wagen“ von Porsche (Typ 64), der Weltrekordwagen von Petermax Müller aus dem Jahr 1950 oder der Formel-1-Rennwagen von Jordan, mit dem Michael Schumacher sein Debüt gab. Einmalig! Einmalig! Einmalig! Das ist das entscheidende Kriterium. Nicht alle sind deshalb Prototypen im ursprünglichen Sinn. Aber immer handelt es sich Klassiker.

Gebäude mit eigenem Charme

Designliebhaber, Technik-Enthusiasten und Motorsportfreunde kommen hinter den Backsteinwänden gleichermaßen auf ihre Kosten. Das Prototyp-Museum will Geschichte erlebbar machen, kommt mit wenig Ausstellungsstücken hinter Glas aus, bietet dafür mehr interaktive Stationen. Zum Beispiel einen Mini-Windkanal, in die aerodynamischen Eigenschaften eines Prototypenmodells plastisch werden.  Alles ist auf das Wesentliche reduziert, aber dennoch besitzt das Ambiente seinen ganz eigenen Charme. Wohl auch deshalb, weil nicht viel von den Hauptdarstellern ablenkt. Das Ensemble ist ein Mix aus den Pionieren der Automobilhistorie, klassischen Sportwagen und Designikonen, flankiert von Legenden aus dem Motorsport. Mit dem Vorteil, dass die Besucher in dem denkmalgeschützten Gebäude einer ehemaligen Kautschukfabrik ganz nah ran dürfen an die Ausstellungsstücke.

Nicht einer Marke, nur der Idee verpflichtet

Markenunabhängig haben die Kuratoren besondere Exemplare aus 80 Jahren Automobilgeschichte kombiniert. Als Ergänzung dazu gibt es auch ein Schaudepot, dass die erweiterte Sammlung zeigt. Und immer wieder Sonderausstellungen, zuletzt zum Citroen DS und Porsche Heritage. Die sprichwörtliche hanseatisch Kühle wird durch die Ausstrahlung der Fahrzeuge aufgewogen. Das kann ein Audi Typ C von 1912 sein, der als „Alpensieger“ schon früh Leistung und Zuverlässigkeit kombinierte. Oder zwei Legenden, die aus der GTÜ-Stadt Stuttgart stammen: den Porsche 356 Speedster und den Mercedes 300 SL „Flügeltürer“. Den Grundstock der Sammlung bildet der Nachlass des Österreichers Otto Mathé, mit seinem berühmten Monoposto namens „Fetzenflieger“.

Was treibt die Macher?

Die beiden Museumsgründer Oliver Schmidt und Thomas König hatten sich die Philosophie „Neue Ziele. Neue Wege“ zur Aufgabe gemacht, als sie nach einem Platz in der sicher nicht armen Landschaft der deutschen Automobil-Museumslandschaft suchten. Seit drei Jahrzehnten tauchen die beiden Hamburger schon tief ein in die Historie, mit eindeutigem Faible für Porsche, begonnen hat alles mit einem VW-Kübelwagen. Seit damals  versuchen sie über das Metall hinaus die Seele der Fahrzeuge zu ergründen. Getreu ihrer Deutung des Begriffes Prototyp: alles, was sie ausstellen, muss Vorbildcharakter besitzen. Einfacher ausgedrückt: Echte Typen eben.

Info

Das Automuseum Prototyp in der Shanghaiallee 7 in Hamburg ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt 13 Euro (Kinder fünf Euro). Familien- und Gruppentickets erhältlich, Führungen auf Anfrage. www.prototyp-hamburg.de